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Going Hyperlocal – mit der Kiezbox auf Tour

  • Rubrik Aus der Stiftung
  • Veröffentlichungsdatum 06.12.2018
Dr. Benjamin Seibel

Wer unserem Event-Team zuletzt auf Veranstaltungen begegnet ist, kennt sie vielleicht schon: die Kiezbox aus dem Ideation & Prototyping Lab. Die Kiezbox ist ein kleiner Raspberry Pi-Computer, der vor Ort ein WLAN-Netz bereitstellt. Wer sich damit verbindet, landet nicht im Internet, sondern in einem lokalen Mini-Netz, in dem man anderen Besucher*innen Nachrichten oder Dokumente hinterlassen kann.

  • Ein Raspberry Pi in einer festen Schale, Fokus auf das Wort "Kiez"
    Foto: Erik Reinholz-Ruthenberg
  • Ein Raspberry Pi in einer festen Schale. Zu sehen ist die Platine mit einzelnen Elementen
    Foto: Erik Reinholz-Ruthenberg

Die Kiezbox ist ein kleines Experiment in der Tradition sogenannter „hyperlokaler“ Netzwerke. Während das Internet die Welt zu einem „globalen Dorf“ (Marshall McLuhan) werden lässt, hat unser Kiezbox-Netz nämlich nur eine Reichweite von etwa 50 Metern. Diese Einschränkung hat einen ganz eigenen Charme, weil man sich sicher sein kann, dass die Personen, mit denen man (anonym) interagiert, ebenfalls in der Nähe sind oder waren. Tatsächlich lässt sich beobachten, dass Besucher*innen nach der Devise „Wenn ich schon mal hier bin…“ handeln und die Gelegenheit nutzen, sich näher mit den Inhalten zu befassen.  

Anwendungsmöglichkeiten für solche Netze gibt es viele: Neben dem temporären Einsatz auf Veranstaltungen können sie zum Beispiel auch als schwarze Bretter in der Nachbarschaft oder als „tote Briefkästen“ an öffentlichen Orten Verwendung finden. Dass keine Nutzerdaten übermittelt oder gespeichert werden, hat im Zeitalter digitaler Massenüberwachung einen zusätzlichen Reiz.

Logo Ideation & Prototyping Lab Technologiestiftung Berlin

Wer sich mit dem Raspberry Pi ein eigenes lokales Netzwerk aufsetzen will, kann das zum Beispiel sehr unkompliziert mit der Open Source-Software „PirateBox“ tun. Ein paar Hintergründe zur Geschichte hyperlokaler Netzwerke finden sich auch in Pete Townsends lesenswertem Buch „Smart Cities. Big Data, Civic Hackers and the Quest for a New Utopia.“

Wer das gerne direkt mal ausprobieren möchte, kann sich den Raspberry Pi und andere Hardware für seine Nachbarschaftsprojekte oder Workshops bei den Kolleg*innen der Hacking Box ausleihen.

Portrait von Benjamin Seibel, Technologiestiftung Berlin, im Hintergrund die Dächer von Berlin Richtung Mitte

Hacking Box

Blick in die Hacking Box mit verschiedenen technischen Geräten

Individuell zusammenstellbare Hardwareboxen für Schulprojekte, Workshops, Seminare, Hackathons & Co zum Ausleihen und Anwenden.